Donnerstag, Juli 13, 2006

Sesamstrassen Jam



Wenn in der deutschen Sesamstrassen auch Rockacts wie die Goo Goo Dolls auftreten würden, dann wäre ich ganz schnell wieder Kind!

Montag, März 20, 2006

Jungs Sache!

(I-Tunes spielt: Millencolin: Penguins & Polarbears)

Was machen Jungs/ beste Freunde, wenn sie beide dasselbe wollen? Dies fragte ich mich vor einigen Wochen, als mein Kumpel L. und ich in dieser Situation waren. Unser beider Objekt der Begierde war Frau X. Ich kannte sie schon länger aus der Uni, er lernte sie auf einer meiner Partys kennen, wo er sie prompt zu seiner einlud. Als ich mich ihm gegenüber äußerte, dass ich mich doch noch ein wenig um sie bemühen wolle, schwieg er mich über seine eigenen Absichten (zumindest vorher) lieber an.

Erst heute, wo das Problem für mich eigentlich schon verjährt war, viel mir wieder ein, wie wir damals mit 11 mit solchen Problemen umgegangen sind. Damals hieß der mit involvierte Kumpel nicht L. sondern D. und das Objekt der Begierde, war keine Frau sondern eine „F 114 Stealth-Fighter“ als Revelbausatzt (ja damals waren wir noch anders zu begeistern), welches im Karstadtregal leider nur einmal vorrätig war. Mit blutenden Herzen entschlossen wir uns damals beide das gute Stück liegen zu lassen und das hart ersparte lieber wieder in lustige Taschenbücher zu investieren. Eine faire Geste war das, wie ich finde.

In der Theorie. Denn in meinen Wahn dieses militante Ding zu besitzen, besuchte ich ganz hinterhältig jenes Kaufhaus ein weiteres Mal und erwarb das Drecksteil. „Ja so muss ein Cowboy sein: dreckig, feige und gemein!“ oder auch „Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt.“ Ich kann nur heute sagen: „Sorry D., der Geist war willig doch das Fleisch war schwach.“, oder so ähnlich. Ich weiss nicht genau, wie L. jetzt mit dem aktuellen Konflikt umgeht, aber in Anbetracht meiner früheren Fehltritte in Freundschaften und meiner aktuellen, durchaus kommoden Lage ohne Frau X. könnte ich ihm das ein oder andere Telefonat mit ihr verzeihen.

Vielleicht sollte ich ihm sagen, dass ich jetzt einen viel cooleren Bausatz gefunden habe und er den ollen, mittlerweile in die Jahre gekommen F 117 haben kann.

His name was Robert Paulson

(Zitat aus David Finchers Fight Club)

Kennt ihr das auch? (Ok wenn, dann kennen es nur die Studenten unter Euch.) Ihr sitz schon seit einem halben Semester in einem Kurs und plötzlich, wie Moses am Ostersonntag (ach nee das war der andere), ist da plötzlich so ein Typ. Ein Typ, der bisher in friedlicher Koexistenz mit Euch gelebt hat. Ein Typ der eigentlich nicht Eurer Aufmerksamkeit entgangen sein dürfte, weil er doch so gar nicht ins Gesamtbild, sprich den Prototypen des 0815-Studenten entspricht. So ging es mir gestern. Solche Erlebnisse kenne ich sonst höchstens aus Serien wie Lost oder diversen Star Trek- Spin Offs. Da wundert man sich: „Hey, den Fähnrich Hans Wurst an der Steuerkonsole oder den Sicherheitsoffizier Lieutenant Dings Bums hab ich noch nie in der Serie gesehen. Viel zu sagen hat der entsprechende Laiendarsteller, der gerade eine 3- jährige Ausbildung als professioneller Knöpfe-in-der-Kulisse-Drücker (ohne zu wissen wofür sie sind) abgeschlossen hat, auch nicht.“ Man hat den Gedanken noch nicht zu ende Gedacht, da macht es Bums, eine Protonenleitung explodiert, weil den Klingonen beim drei dimensionalen Schachspielen langweilig geworden ist und die Enterprise angreifen. Die Diagnose des Doktors (mit ganz, ganz betroffenen Blick: „Captain, wir haben Fähnrich Hans Wurst verloren.“, oder etwas unpersönlicher auf der alten Enterprise: „Er ist tot Jim.“

Aber die Realität sieht anders aus. In der Realität stirbt der geheimnisvolle Fremde nicht. Er ist präsenter denn je. So zumindest in meinem Erlebnis gestern. Er fiel mir schon vor Beginn der Stunde auf, als er mit seinen Schnürsenkellosen Halbschuhslippern über den Seminarsboden zum Platz neben meiner Kopiererfee (ihr erinnert Euch: Wack Wednesday) schlurfte, dort stehen blieb und begann sich dort häuslich niederzulassen. Diesen Platz hätte selbst ich gemieden, der das Wort Beischlaf nicht nur aus einem Buch kennt. Doch bei diesem Kaliber von Frau, hätte ich doch zu große Befürchtungen gehabt, dass sich im Verlauf der Stunde meine Tischplatte, wie von Geisterhand anhebt. Er hat kein Problem damit, sie jedoch schon. Trotz seiner charmant wirkenden Zahnlücke, die ihm es ihm ermöglichen würde zu Pfeifen ohne den Mund zu öffnen, seines Al Borland-Gedächtnis-Holzfäller Hemd, seiner Wildlederweste und einer Doppelcord-Hose, die selbst mein Opa nicht mehr anziehen würde. Die Frauen sind auch wählerisch heut zu Tage, man kann den auch nichts Recht machen! Dezent macht sie ihm deutlich, dass ihre Freundin gleich noch kommen würde und er doch bitte entsprechend den Platz frei lassen möchte. Nun, die Mädels in der Reihe davor haben entweder kein Problem mit ihm oder ihnen fällt keine Ausrede mehr ein.

Der Kurs beginnt. Es geht um afro- amerikanische Literatur. Der Dozent fragt, ob wir in irgendeiner Weise mit den Roman Helden, einen Schwarzen der im Affekt einen Mord begeht, sympathisieren würden. Er meldet sich, er kommt dran. „Jetzt kommts.“, denke ich mir als ich plötzlich seine Ähnlichkeit mit dem Killer im französischen Splatterfilm „Haute Tension“ (auch als „Switchblade Romance“ oder „High Tension“ bekannt) erkenne, der sich immer gerne sein blutiges Rasiermesser an seinem Arbeitsblaumann abzuwischen pflegte. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, was die Amerikaner mit den Begriff „Redneck“ meinen, aber der Begriff passte zu ihm wie Narzissmus zu Mariah Carey. Mit einem übel klingenden Südstaatenakzent, den anscheinend auch sprechen kann ohne die Zähne auseinander zu bekommen sagte er: „Welll, I cän’t identify wiz thiz charekter. This story has notting to do wiz my life.“ Mehr als ein „OK, any other opinions?“, wusste der Dozent darauf nicht mehr zu sagen. Ich auch nicht. Aber ich warf in dem Moment mein letztes Mitleid an ihn (er kann ja nichts dafür, dass in seiner Heimatstadt alle die gleiche Haar- und Augenfarbe haben und weitestgehend den gleichen Nachnamen haben) über Bord.

Wack Wednesday

Es war mal wieder ein typischer Mittwoch. Ich war unausgeschlafen, unvorbereitet für meine heute anstehenden (nicht wenigen) Uni-Veranstaltungen und vor allem ohne Plan. Zu meiner Verteidigung kann ich lediglich sagen, dass ich die vorige Woche krank im Bett lag. Während ich dies in der ersten Veranstaltung des Tages noch relativ erfolgreich in einer Gruppenarbeit mit Kommilitonen verstecken konnte, fühlte ich mich für die zweite Veranstaltung genötigt, doch mal der Seminarbibliothek einen Besuch abzustatten um mir die, eigentlich zu heute zu lesenden, Unterlagen zu kopieren. Gedacht getan. Viel Zeit war nicht, noch 15 min bis zur Sitzung.

Stolz wie Oskar, dass ich es endlich mal geschafft hatte, mir (wenn auch nur 5 min vorher) die Unterlagen zur laufenden Sitzung mitzubringen, schlage ich meinem Ordner auf um die zu diskutierende Rede von Winston Churchill rauszukramen. Doch als wir beim Analysieren der zweiten Seite angekommen sind, stellt sich ein Fragezeichen in meinem Gesicht ein. Hatte ich tatsächlich nur die erste Seite der Rede kopiert und war der Rest meiner Kopien völlig ohne Belang? Scheisse, dachte ich mir, das kann dann ja ne lange Stunde werden.

Zwei Stunden später, fand ich mich wieder in der Seminarsbücherei wieder. Diesmal für die morgige Veranstaltung. Wie das Schicksal so spielt, begegnet man gerade an diesen Tagen, wo man selbst mit sich am meisten im Unreinen ist, den schönsten Frauen. Sie war mir schon öfter aufgefallen, sie ist in einem meiner Kurse. Eine Frau, bei der ich mir eigentlich sicher bin, dass sie nen Freund hat. Eigentlich ne Klasse zu hoch für mich. Nun stand sie vor mir in der Warteschlange vor dem Kopiergerät. Ich war gerade völlig in Gedanken versunken, als sie sich Plötzlich vom Kopierer abwandte und zu mir umdrehte.

„Entschuldige, der Kopierer spinnt, kennst du dich damit aus?“, fragte die blonde Elfe. Ich brauchte gut eine Sekunde um meinem Blick von ihrem wohl anliegenden Beinkleid zu lösen, in dessen Gesäßtasche bestimmt nicht mal ein MotoRAZR V3 passen würde, und in ihre blauen Augen zu schauen. Etwas hilflos begutachtete ich die Anzeigen auf dem Kopierer, brummelte „Vielleicht ein Papierstau.“, und öffnete eine der Einzugsklappen des Gerätes. „Keine Ahnung. Ich sag vorne mal Bescheid!“, bot ich ihr an, was sie mir dankte. An normalen Tagen würde ich mich für so einen erbärmlichen Auftritt in Grund und Boden schämen. An diesem Tag freute ich mich jedoch schon, mich nicht völlig zum Horst gemacht zu haben.

In der nächsten Veranstaltung merke ich dann, dass ich bei all der Aufregung diesmal meinen Ordner unten Vergaß. Zudem hätten wir zu meiner Überraschung zu heute einen ganzen Roman lesen sollen, den ich nicht mal besaß. Eine Referatsgruppe hielt uns dann an, Gruppen zu bilden um die Struktur, Climax etc. zu diskutieren. Na toll, dachte ich mir. In dem Moment dreht sich Traumfrau Nummer 1 aus diesem Kurs zu mir und meinem Tischnachbarn um und fragt, ob wir zufällig das Buch gelesen hätten. Mein Tischnachbar hat es gelesen und glänzte in diesem Moment mit einer 1 A- Nacherzählung. Mir bleibt nichts anderes Übrig als ihm zuzuhören und mit ein paar krampfhaft witzigen Einwürfen mir ein bisschen Aufmerksamkeit von ihr zu erhaschen.

„Verdammt, da hätte es sich heute mal richtig gelohnt vorbereitet zu sein.“ dachte ich mir. Denn wenn man auch nur einmal mit Unwissen glänzt, wird man bestimmt nicht ein zweites Mal gefragt. Ich sollte endlich anfangen mich zumindest teilweise mit den „Fingerschnippermeldern“ und den „Vom Spicker nicht abgucken Lassern“ zu solidarisieren. Zugegeben, mein Motiv kann ein bisschen Fragwürdig sein.

Alles Schlampen bei Ebay

Tja, so kanns gehen. Ich dachte ich wäre stark genug zu wiederstehen. - Nun, ich habe mich geirrt. Nach 10 Tage Probe spielen musste ich mir nun doch das Onlinerollenspiel "World of Warcraft" kaufen, um wieder gepflegt mit meinem Tauren-alter-Ego und meinem MiBiWo durch die Comicbunte Fantasywelt zu hüpfen. Dummerweise ist das Softwarejuwel z.Z. im Laden nicht zu bekommen (Marketingstrategie des Herstellers oder tatsächlicher Lieferengpass). Also mal bei Ebay reingeschaut.

Siehe da: "neu und original verpackt", steht da in der Artikelbeschreibung. Das Bewertungsprofil des Verkäufers macht einen überwiegend positiven Eindruck. - Was soll da schief gehen, denke ich mir und steiger knapp unter den Ladenpreis. - Zack, Auktion gewonnen. Das war Mittwoch vor 2 Wochen. Wie manche von Euch wissen, wollt eich mich an diesen Tag nach Hannover aufmachen. Also schnell ne Email an den Verkäufer geschickt und auf dem Weg zum Bahnhof die Überweisung eingeworfen.

Am folgenden Dienstag schreib ich den Verkäufer eine vorsichtige Anfrage, ob meine Überweiung schon eingegangen sei. Sein Homebanking sei ausgefallen, sagte er aber er würde sich am Mittwoch darum kümmern, er hätte dann frei. Dies hinterließ bei mir schon einen negativen Eindruck: Ist es denn so schwer sich eben einen Kontoauszug zu holen. Hätte doch theoretisch mein Geld schon am Freitag auf seinen Konto sein sollen, dann wär das Spiel jetzt schon da. Mittwoch meldet er denn, das Geld sei da und er würde das Spiel am Donnerstag auf den Weg schicken. So spring ich seit letzten Freitag regelmäßig bei einen Türklingel am Morgen in die Jeans und hurte wie meine kleine Nichte an Weihnachten zur Tür. Mal ist es Werbung, mal für meinen MiBiWo.

Am Dienstag ist mir dann der Kragen geplatzt: "Der hat sein letztes Päckchen geschnürt! Power-Seller, das ich nicht lache! Dem werde ich auch mal was sellen. Den falte ich zusammen wie nen Zollstock." -Ich war geladen wie ein 9-Volt-Block. Ähnlich, klang dann auch meine Email an ihn. Er versicherte mir das Päckchen abgeschickt zu haben und scannte mir zum Beweis noch den abgestempelten Paketaufkleber mit ein. Meine Paranoia nahm sogar solche Formen an, dass ich meine Nachbarn verdächtigte das Paket gemopst zu haben. "Die WG neben uns, der hat schon immer so ein satanistisches "Wacken"-T-Shirt an. So einer muss doch Terrorist sein. Zumindest ein Sympatisant.

Heute dann die peinliche Ernüchterung. Der Verkäufer mailte mir (trotz meiner Predigt immer noch sachlich gemäßigt), die Adresse an die er das Paket geschickt hat nun richtig sei. Das Paket sei heute zu ihm zurück gekommen. Das lag dummerweise nicht daran, dass das Spiel Sehnsucht zu ihm hatte, sondern die Adresse zwar meine aktuelle Straße, aber nicht meine aktuelle Hausnummer auschilderte.

- Jetzt würde ich mich lieber selbst einschnüren.

Herr Mehdorn sein Laden

„Ich fahre nie wieder Zug!“, denke ich mir jedes mal wieder. So auch Freitag morgens in Hannover. Da ich ja gerne mal spät bin oder im Stress alles vergesse, was nicht angewachsen ist, nehme ich mir für den Weg zum Bahnhof etwas mehr Zeit als nötig. Nur soviel im Voraus: Es hat sich nicht gelohnt. Folgende Ereignisse können auch die Erklärung für mein chronisches „zu Spät kommen“ sein. Denn wenn eine durchdringende Lautsprecherdurchsage ständig Sätze vor sich herplärrt, die mit „…hat 10 min (20 min, 30 min) Verspätung.“ enden, muss sich das ja ins Gehirn einbrennen.

Besonders beim einnicken, sollen solche hypnotischen Sätze eine besondere Wirkung haben (es gibt ja auch Tonbänder, die einen das Rauchen abgewöhnen sollen). Also fahren nett anzusehende Damen im Bahn- Röbchen kleine Wägelchen mit riesigen Kannen Kaffe über den Bahnsteig und versuchen damit das schlimmste zu verhindern. Ihnen allein ist es zu verdanken, dass morgen nicht hunderte Hirnentlehrter Zombies stumpf vor sich her stöhnen: „Mussss zu spääätttt kommen! Mussss zu spääätttt kommen!“

Ein Maschinenschaden ist es diesmal, der meine pünktliche Ankunft zuhause Verhindert. „Maschinenschaden“ liegt in meiner Top-Five der meistbenutzten Rechtfertigungen für Bahnverspätungen ganz vorne, knapp gefolgt von „Blitzschaden an der Oberleitung“, „Warten auf Fahrgäste für den Anschluss“, „Bahnhof gesperrt“ (Ist mir ehrlich passiert in Kiel!) oder sonst was wie „Der Schaffner hat ne Bänderdehnung in der Unterhose und ne viel zu große Nase.“

Da ich zudem schon seit 20 min starken Harndrang verspüre und die Verspätung mittlerweile auf 30 min angestiegen ist, wage ich es dann doch noch mal nach unten in die Keramikabteilung. Die nennt sich hier witziger Weise „Mc-Clean“. Wenn die Namensparallele zu anderen MC’s wie MC Donalds beabsichtigt ist, finde ich das ganz schön eklig. Der flüchtige Gedanke an vermeintliche „Imbissköstlichkeiten für den anderen Geschmack“ wie der „Mc-Kot“ oder der „Mc-Mittelstrahl-Shake“ wird aufgrund eines stark ansteigenden Übelkeitsgefühls schnell wieder verdrängt. Duschen kann man in diesen futuristischen Örtchen auch. – Wow!

Ein wenig erheitert und erleichtert kehre ich auf den Bahnsteig zurück. Gerade noch rechtzeitig, um die Durchsage mitzukriegen, die meine Erheiterung gleich wieder verfliegen lässt. Mein ICE fällt komplett aus. Eine Minute später finde ich mich in einer Traube von Menschen wieder (nur die fehlenden Mistgabeln unterscheidet sie noch von einem Mob, der auf dem besten Weg zur Lynchjustiz ist), die sich um 2 Mitleids erregende Bahnangestellten scharen.

Diese schaffen es dann löblicher Weise einen Intercity Richtung Bremen noch anzuhalten und uns rüber zu schicken. Nachdem ich in selbigen zum dritten Mal von meinem Platz verscheucht werde, muss ich doch über die mit dem Schild „Bahn Komfort“ betitelten Plätze schmunzeln. Vielleicht hat Herr Mehdorn ja ne andere Definition von Komfort als ich.

Die Spiesser-WG

Die Suche nach der ersten WG (für mich überhaupt die erste Wohnung fern der Heimat) ist für viele eine besondere Erfahrung. Meine Geschichte ist schon zwei Jährchen alt, finde aber, dass es nicht klar gehen würde, bliebe sie ungeblogt.

Mein Eindruck der jeweiligen Menschenkonstellationen hätte anders nicht sein können. Viele der WG’s waren eher Zweckgemeinschaften während die „Spiesser-WG“ doch ihre festen, unveränderbar scheinenden Rituale hatte (Bloß keine Überraschungen bitte). Aber eines nach dem anderen.

Die Spiesser-WG bestand zurzeit aus (ich nenn ihn mal) Horst, 26-jähriger VWL-Student, und Trude (gefühlter Name), 21-jährige Auzubine in einen Teppichgeschäft. Da ich schon 3 Stunden unterwegs war, eine schwache Blase hatte und für zwei Kacken musste, fragte ich entgegen meines Schamgefühls und Anstandes, ob ich ihre Keramikabteilung benutzen dürfte. Hätte ich gewusst, wie die Beiden drauf sind, hätte ich wohl das Risiko eines Darmbruchs mit einen Lächeln in Kauf genommen.

Beim ersten Rumführen durch die Wohnung (Es klingelte derweil des Öfteren das Telefon, die Wohnung schien stark gefragt zu sein.) konnte Trude sich die Bemerkung nicht verkneifen: „Das Bad kennst du ja schon!“ Stolz präsentierte Horts seine James Bond-Film-Sammlung „Im Moment gucken wir die immer zum Abendessen.“ – Ok, wer’s brauch. Andere gucken GZSZ.

Die hohe Nachfrage der Wohnung schien Horst und Trude Rechtfertigung genug zu sein mir eine Frageliste zu präsentieren. Immerhin fragten sie mich vorher, ob das in Ordnung für mich wäre. Mein Unsympath-Toleranz-Barometer (kurz UTB) war aber noch nicht überschritten und so willigte ich ein. So beantwortete ich geduldig den Fragenlatalog während Trude unnachgiebig (+) oder (-) auf ihren Zettel kritzelte. Das Verfahren erinnerte mich ein bischen an einen Psycho-Test aus der Bravo „Passt ihr zusammen?“.

Trude: Kochst du gerne?
Jay: Och naja, meistens hau ich mir ne Pizza rein. (-)
Trude: Würdest du ns beim arbeiten im Kräutergarten helfen?
Jay: Joooaaaa, würd ich machen. (=)
….
Horst: Was machst du Hobbymäßig?
Jay: Segeln.
Mein wohl einziges plus (+). Horst hat auch gesegelt bei der Marine. „Die mobile Infanterie hat das aus mir gemacht, was ich heute bin!“ (Zitat: Starship Troopers)

Horst: Eine Frage würde mich dann persönlich noch interessieren. Hast du gedient?
Jay: Nö, hab 2 ältere Brüder. Da muss ich nicht mehr.
Horst: Aber wenn du gemusst hättest, hättest du dann GEDIENT?
Jay: Nee, ich hätte mit Sicherheit Zivildienst gemacht!

In Gedanken sah ich ihn schon sein altes Sturmgewehr aus den Schrank holen und mein Hirn über den Kräutergarten spritzen. Stattdessen sah er zu seiner Verhörsekretärin hinüber und sagte großzügig: „Gib ihm ein „neutral“! Weil er ehrlich war.“ Immerhin ersparte er mir jegliche „Verweigerer haben kleine Pimmel“-Klischees.

Da hatte ich dann wohl endgültig verloren. Schade eigentlich. Der Ausblick vom Balkon auf den Hof einer Justizvollzugsanstalt (bei dem Anblick denkt Horst bestimmt gerne an seine Marinezeit zurück) wäre doch sehr Reizvoll gewesen.

Als ich dann ein Zimmer hatte, freute ich mich dann schon darauf den beiden UTB-Sprengern einen Korb zu geben. Leider kam Horst mir zuvor. Sichtlich bemüht mir den Eindruck zu vermitteln, dass er noch 100 anderen Absagen muss und in einen Tonfall der den Begriff herablassend neu definiert. Vielleicht wohnt bei ihnen jetzt ja der Busfahrer.

Crying at the Bafög-Amt

Man, war das ein Morgen. Aller Aversion gegen Ämter zum Trotz hatte ich mir den Wecker für Heute schon auf, die für einen Studenten unchristliche Zeit, 8 Uhr gestellt. Ich bin halt nicht der Typ, der es drauf hat wichtige Dokumente penibel zu Verwalten, so dass ich solche Termine gerne mal verdränge. Der Stichtag für die Nachreichung von Unterlagen für meinen Bafög-Antrag war allerdings bereits seit einer Woche verstrichen.

Doch zunächst musste ich vor 10 Uhr bei meinem Prof. sein damit er mir im metaphorischen Sinne "Sternchen in mein Fleißheftchen" (Formblatt 5 vom Bafög-Amt zur Feststellung der Leistungen) klebt. Durch Ausfallenlassen des Frühstücks erspielte ich mir 30 min "noch einmal Umdrehen". Dusche und Kaffee war auch noch drin und ich versuchte meine Unterlagen erneut zu ordnen. Zähneputzen fiel aus, da mein MiBiWo gerade im Bad ist und ich es jetzt eilig hatte (mach ich es halt wie die Jungs im U-Boot: Kaugummi am Start).

Los gehts! Die erste Station verlief anstandslos. Rüber zur Matrikulationsstelle. Mir fehlte nämlich noch immer die Studienbescheinigung fürs kommende WS. War zwar ein bischen spät dran mit der Anmeldung, aber langsam muss die doch mal kommen. Ich stellte mich also in die Schlange und warf beim Warten noch ein Paar Blicke auf die Reihe der Erstmatrikulierten (die Zeiten waren schon mal besser!).

Endlich war ich dran! Ich gab der Dame hinter der verschmierten Glaswand meine Matrikelnummer, und schon löste sich das Misterium über den Verbleib meiner Studienbescheinigung in Luft auf. Die Lösung war so einfach wie tragisch: Der Studentenbeitrag wurde noch nicht überwiesen. Während ich Fassungslos darüber Nachdachte, was ich dann wohl mit den Überweisungsvordruck gemacht haben muss, (Bei der Briefwahl miteingesteckt - ein Kreuz für die Uni, in den Rundordner oder als Abwasserversandpapier verschickt) hatte ich plötzlich den Eindruck, dass die gute Frau sich immer mehr nach Vorne beugen muss um mich anzusehen. Ich merkte jedoch schnell, dass der Eindruck trügte, denn ich war es der vor ihrem Tisch im Boden versank.

Als ich aus meinem schlechten Tagtraum aufwachte hörte ich nur noch die letzten Brocken ihrer Ausführung (irgendwas mit "möglicher Exmatrikulation" und "Betrag gleich beim Studentenwerk einzahlen"). Na denn, Angstschweiß wegwischen, noch mal die Kontoauszüge checken (die Kohle ist wirklich nicht abgebucht worden), 100 € aus dem Automaten geholt (das gibt der Dispo grad noch her) und hoch in die Höhle des Löwen. Ironischerweise ging das Einzahlen des Geldes heute von allem am schnellsten über die Bühne.

Jetzt ging es zum eigentlichen Ziel heute: Der Weg der für mich immer ähnlich schauerlich ist wie für Michael Clarke-Duncan die "Green Mile" im gleichnamigen Film. Für alle nicht Studenten: Das Bafög-Amt ist so ähnlich kuschelig wie das Arbeitsamt, nur dass hier die "Kunden" jünger sind (also in der Regel auch attraktiver) und weniger verzweifelt. Ich weiss wovon ich rede, war in beiden "Stolz gegen Patte"-Tauschbörsen Gast.

30 min Wartezeit später dauerte es nur 2 min bis mein Auffenthalt wieder beendet war. Die rosafarbenen Leistungsnachweise sollten noch von einer erlesenen Professoren Elite, deren Namen ich noch nie gehört habe (und die meinen noch weniger) "gegengezeichnet" werden. Nach einer weiteren halben Stunde Schnitzeljagd inklusive Radtour und Durchfragen musste ich feststellen, dass beide zuständigen Super-Duper-Professoren wohl erst zum Semesteranfang wieder zugänglich sind.

Komisch, bei meinen Kindergeburtstagen früher ging ne Schnitzeljagd immer gut aus, mit Süßigkeitenbeutel und so. Da fällt mir ein: Ich muss gleich wieder los und Kilometergeld beantragen.

Es gibt solche Tage......

Tja, "Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen" dachte ich mir auch neulich wieder. Ich kam grad wieder unverrichteter Dinge aus der Stadt, da mal wieder kein Geld aus der silber verkleideten Zauberwand kam (meine MiBiWo hat immer noch nicht die Monatsmiete gezahlt).

Aber hey, ich schalte meinen MP3-Player mit gepflegtem Pop-Punk an (das bringt mich immer wieder nach vorne) und erwische auch gerade pünktlich meine Buslinie. Der Bus fährt los, ich fange an dösend verträumt aus den Fenster zu gucken, als plötzlich eine Fahrgästin neben den Busfahrer mir gestikuliert, die Stöpsel aus meinen Ohren zu nehmen.

Der Busfahrer fängt an zu Pöbeln: "Ja das haben wir gerne, guckt die ganze Zeit aus dem Fenster und tut so, als würde er mich nicht hören." Ich so: "Sorry, hab Sie nicht gehört." Er Pöbelt mit einer Hitler-Revival Stimme weiter: "JA DAS KANN ICH MIR DENKEN. LEISER MACHEN DAS DING! ODER AM BESTEN GANZ AUS. DIE SIND NÄMLICH VERBOTEN!"

Komisch da hätt ich wohl beim Buchen der Reise besser das kleingedruckte gelesen. In meinen Gedanken bilden sich Sätze wie:
"Ey du Schmock, du hast wohl nen Polizeihund gefrühstückt. Nur weil deine Frau dich nicht mehr ranlässt brauchst du mich hier nicht anzukacken für nichts! Ich sehe hier kein Schild dass das verboten ist. Warum auch, das ist doch der Sinn von Kopfhörern dass kein anderer mithört. Und überhaupt, mir gleich bösen Willen und Ignoranz zu unterstellen nur weil ich nicht so alt bin wie du aussiehst. Da kriech isch plaq!!!!"

Da ich aber auf die Situation gerade gar nicht klar kam und mir auch leider ein wenig die Kochonez fehlen bringe ich nur ein "Sorry, das wusste ich nicht." raus. - Meine Fresse!
Naja dafür durfte ich an der 5 Sterne Reise weiter teilnehmen bis ich mein maison erreichte.

Der Rest des Tages verlief weiter unspektakulär. Gegen abend startete ich die allwöchenliche Samstag Abend Planung die erfolglos verlief. Ich hatte schon Max Raabe im Ohr ("Kein Schwein ruuuft mich aaaaaannnnn......") - Nicht so wild, auch schon während meiner Ausbildung gab es eine Zeit, wo sich meine sozialen Kontakte maßgeblich auf ICQ-Chats reduzierten. - I will survive.

Lasse ich mir also im Chat von einem Mädel aus meiner Heimatstadt, die ich aber noch nie gesehen habe belanglose aber leicht an GZSZ erinernde anekdoten erzählen. Aber wer weiß, vielleicht ist sie ja hübsch....

Bis 0.33 h sitze ich also bei laufender Glotze (es läuft gerade "Full Metal Jacket") vorm PC und höre mir Geschichten an, die ähnlich grausam sind wie das Geschehnis im TV. Während die Geräuschkulisse im Hintergrund durch Maschinengewehrsalven und das Geschrei sterbender Soldaten geprägt ist, erzählt sie mir von ihrem Ex (beinahe Verlobtem) der jetzt mit ner hochschwangeren zusammen zieht und von ihrer ehemals besten Freundin, die in sie verliebt zu sein scheint.

- "Puh, harter Tobak." denke ich mir während ich den PC und das TV-Gerät ausschalte, mich bettfertig mache und mir das Frikadellenmett aus dem Ohr bzw. meinen Leseaugen puhle. Doch aus der Nachtruhe wird vorerst nichts, denn meine Nachbarin hat ausgerechnet an diesem Sa. wo ich nicht betrunken durch die Discothek meines Vertrauen torkel und den Mädels nachschaue den wohl besten (und vor allem lautesten) Sex ihres Lebens. - "Nailed by the king. The royal treatment so to speak" (Zitat: American Beauty).

Mit Hilfe tranzendaler (oder so ähnlich) Meditationstechniken schaffe ich es, nicht nacht unten in die benachbarte Dico zu gehen, um es meinen Kollegen nachmachen zu wollen. Gott sei Dank weiß ich nicht, ob meine Nachbarin hübsch ist, so dass ich mir halbwegs erfolgreich einreden kann, dass das Gegenteil der Fall ist. Nach etwa 1 Stunde Gestöhne und Geklatsche kommt endlich mein erlösender Schlaf. Während ich langsam einnappe hoffe ich nur noch: "Hoffentlich ist es nicht der Busfahrer gewesen!"